LVR-Institut für Landeskunde
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Europäischer Tag des Fahrrads

Egal, ob Drahtesel, Fiets, Velo, Leeze oder Schörrech – bei Sonnenschein und warmen Temperaturen dreht man gerne eine Runde mit dem (Fahr)rad. Es gibt sogar eigens einen Tag, an dem dieses Fortbewegungsmittel gefeiert wird: Der 3. Juni eines jeden Jahres ist der europäische Tag des Fahrrads, dem umweltfreundlichsten, gesündesten und sozial verträglichsten Fortbewegungsmittel, das die zunehmende Verkehrsdichte auf den (Auto)Straßen vielleicht ein wenig abmildern kann. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club stellt anlässlich des Tages des Fahrrads aktuelle Statistiken zur Fahrradnutzung in Deutschland aus; zudem kürt er alle zwei Jahre die fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands.

Blick auf Fahrradparkhaus, auf dem ein schwarz-weiß Bild mit Rennradfahrern zu erkennen ist sowie die Schriftzüge Fahrrad, Bicycle, Velo, Fiets und Rower 'Fahrrad' in einigen europäischen Landessprachen, Fotografin: Sarah Puckert, LVR-ILR

Auch sprachhistorisch ist das "Fahrrad" interessant: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Karl Freiherr Drais von Sauerbronn entwickelt, benannte dieser seine zweirädrige Laufmaschine nach sich selbst - Draisine. Die darauffolgenden 50 Jahre tüftelte P. Michaux weiter an Drais‘ Erfindung und präsentierte auf der Pariser Weltausstellung 1867 ein mit Tretkurbeln versehenes Fahrzeug. Dieses trug den Namen vélocipède, nach lateinisch velox 'schnell' und pes, pedis 'Fuß'. Das Wort übernahmen die Deutschen in ihre Sprache – aus vélocipède wurde Veloziped. Noch heute ist in vielen Dialekten des Rheinlandes diese Bezeichnung weit verbreitet, allerdings häufig in Lautvarianten wie Filosepee, Filisepee oder Flitsepee. Nach der Weltausstellung von 1867 wurde das Rad stetig weiterentwickelt, es erhielt notwendige Sicherheitsvorkehrungen (Licht, Klingel, Bremse), mittlerweile kann man gar Räder mit Motoren kaufen, Räder in jeder Form, Farbe und Größe, passend für seine*n Nutzer*in. Auch in den Dialekten gibt es zahlreiche mundartliche Bezeichnungen für den Drahtesel: Die Bezeichnung Farrad (wie sie im Dialekt häufig zu hören ist) löste bereits vor 1900, als es Bestrebungen gab, Fremdwörter aus dem deutschen Wortschatz zu entfernen, Veloziped ab. Fahrrad ist überall im Rheinland zu hören, häufig in der verkürzten Form Farrad, seltener auch mit einem o im ersten Bestandteil der Zusammensetzung.

Fits hingegen, das auf die niederländische Standardbezeichnung fiets zurückgeht, ist im Rheinland hauptsächlich entlang der niederländischen Grenze, aber auch am unteren Niederrhein (da dessen niederfränkische Mundarten eng mit den niederländischen Nachbarmundarten verwandt sind) gebräuchlich. Im Rest des Rheinlandes nennen die meisten Menschen ihren Drahtesel dann wie im Hochdeutschen Fahrrad oder Rad. In Sieglar, Köln und Kempen-Lobberich hört man im Dialekt auch manchmal die verächtliche Bezeichnung Drahtesel für ein altes Fahrrad (RhWB, Bd. 1, Sp. 1432). Auch in den Geheimsprachen des Rheinlands und Westfalens hatten die Räder eine eigene Bezeichnung: Schörrech bei den Kofferaner Musikanten und Leeze bei den Händler in Münster.

Zum europäischen Tag des Fahrrads werfen wir auch einen Blick auf das "Fahrrad" in den europäischen Sprachen: vélo im Französischen ist wohl die Kurzform der ehemaligen Langform vélocipèd; wo das niederländische fiets seinen Ursprung hat, ist hingegen nicht ganz geklärt – entweder ist fiets entstanden aus dem südlimburgischen Dialektwort vietse 'rennen, sich schnell bewegen', das vermutlich zurückgeht auf Französisch vite 'schnell' oder es handelt sich um eine lautmalerische Bildung, die an das Verb flitzen angelehnt ist. Englisch bicycle, spanisch bicicleta, italienisch bicicletta, portugiesisch bicicleta sowie schwedisch/dänisch cykel und kroatisch bicikl gehen jeweils auf bi- 'zwei' und die latinisierte Form des griechischen Wortes kyklos 'Kreis, Rad' zurück. In Finnland bezeichnet man Fahrräder dann als pyörä (von finnisch pyöreä 'rund'), im Polnischen als rower und in Tschechien, der Slowakei und Slowenien sind die Fortbewegungsmittel auf zwei Rädern als kolo 'Rad, Kreis' bekannt.

Egal, wie Sie Ihren Drahtesel bezeichnen – vielleicht unternehmen Sie zur Feier des Tages einfache eine kleine Tour und genießen das hoffentlich sonnige Wetter!

Sarah Puckert

Literatur: