LVR-Institut für Landeskunde
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Europäischer Tag der jüdischen Kultur: Das Jiddische

Seit mehr als zwanzig Jahren wird jedes Jahr am ersten September-Sonntag der Europäische Tag der jüdischen Kultur gefeiert. Dabei steht neben der Geschichte des Judentums, seinen Traditionen und Bräuchen auch die Sprache der Juden, das Jiddische, im Fokus, denn viele unserer Wörter haben einen Ursprung im Jiddischen – bei einigen ist es auf den ersten Blick klar, bei anderen aber fällt es uns meist gar nicht (mehr) auf.

Vor rund elfhundert Jahren begann die Geschichte des Jiddischen im rheinfränkischen Gebiet um die Städte Worms, Speyer und Mainz. Hier lebten nach ihrer Einwanderung vor allem Juden, die französisch sprachen, sich aber innerhalb nur einer Generation den dortigen Dialekt aneigneten. Aus dem Gebiet um Worms, Speyer und Mainz wanderten die Juden dann bald auch ins zentrale Rheinland nach Köln und in die nähere Umgebung, wo die größte jüdische Gemeinde nördlich der Alpen entstand. Hörbar ist das auch heute noch in den rheinischen Dialekten wie auch in der Alltagssprache des Rheinlands: malochen 'schwer arbeiten' (von jiddisch melocho, meleches 'Arbeit, Werk'), zocken '(um Geld) spielen, spekulieren' (von jiddisch zchoken 'spielen, scherzen') oder lau 'unbezahlt, umsonst' (von jiddisch lo, lau 'nichts') sind nur einige Beispiele jiddischer Wörter in den rheinischen Sprachvarietäten.

Sechs ältere Herren spielen um einen Tisch sitzend gemeinsam Karten. Zocken kann man in jedem Alter.

Es gibt zudem auch jiddische Wörter in unserem Sprachgebrauch, die für uns nicht direkt verständlich sind oder bei denen wir nicht vermuten würden, dass ihr Ursprung in der Sprache der Juden liegt: Knast 'Gefängnis' (zu jiddsich knas 'Strafe'), Moos 'Geld' (westjiddisch moes, ostjiddisch moß, muß 'Geld'), meimeln 'leicht regnen, fieseln' (geht zurück auf jiddisch majim 'Wasser' und maimenen 'taufen') oder Tinnef 'Unsinn, dummes Zeug' (von jiddisch tinneph 'Kot, Unflat'). Gerade diese Vielfalt zeigt, wie groß der Einfluss der Juden auf unsere Sprachvarietäten war.

Wie in jedem Jahr findet der Europäische Tag der jüdischen Kultur mit zahlreichen Veranstaltungen statt – dieses Jahr natürlich mit den nötigen Sicherheitsvorkehrungen und gebührendem Mindestabstand. Auf unserer Seite finden Sie zudem unterschiedliche Artikel zum Jiddischen im Rheinland; auch die Bücher "Jiddisch im Rheinland" und das Herkunftswörterbuch der Umgangssprache "Wo kommt dat her?" bietet zahlreiche Informationen. Oder besuchen Sie die Homepage des LVR-Kulturhauses Landsynagoge Rödingen.

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