LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Aussterbende Wörter? Von Backfisch, Trottoir und Co.

Gemälde, auf dem ein Quacksalber auf einem Podest, umringt von vielen anderen Personen, medizinische Handlungen an einem Menschen vornimmt „Der Quacksalber“ von Franz Anton Maulbertsch – ein Wort, das uns heute kaum noch geläufig ist, Foto: Franz Anton Maulbertsch, gemeinfrei

Unser Wortschatz ist nahezu unerschöpflich und wächst täglich an – neue Wörter kommen hinzu, weil es neue Dinge gibt, die beschrieben werden wollen, weil man kreativ sein möchte, weil man auf etwas aufmerksam machen möchte und und und. Auch die momentan grassierende weltweite Pandemie erweitert unseren Wortschatz: Bierwalker, Munaske oder Strandampel sind nur einige Beispiele, die im Zusammenhang mit Corona als neue Wörter entstanden sind. Regelmäßig verschwinden aber auch immer wieder einzelne Wörter, entweder weil das, was sie bezeichnen, nicht mehr benötigt wird oder aber, weil es neue Begriff für diese Dinge gibt. Wer kennt oder nutzt heute noch Wörter wie Springinsfeld, Quacksalber oder honett? Diese werden häufig als „bedrohte Wörter“, sogenannte Archaismen, bezeichnet – Wörter, die wir wohl bald nicht mehr brauchen werden, um Dinge zu benennen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen jenen, die man nicht mehr versteht (wie vielleicht honett ‚anständig, ehrenhaft, ehrbar‘ oder Backfisch ‚junges Mädchen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren‘), solchen, die durch eine neue Bezeichnung ersetzt werden und jenen, die auszusterben drohen, da der Gegenstand, den sie benennen, kaum oder gar nicht mehr verwendet wird (wie etwa bei Bandsalat). All diese Wörter, die mit dem Zusatz „veraltet“ im Wörterbuch zu finden sind, werden in der Sprachwissenschaft als Archaismen bezeichnet.

In diese Kategorie gehören aber auch Wörter, die in den Dialekten und der regionalen Umgangssprache noch regelmäßig verwendet werden, in der Standardsprache aber meist verloren gegangen sind, so etwa Mumpitz ‚Unsinn, Geschwafel, unbedeutendes Zeug‘ oder Fuchtel ‚zänkische Frau‘. Ein besonders schönes, weil im Dialekt häufig verwendetes Beispiel, ist das Trottoir ‚Bürgersteig, Gehweg‘.

Ausschnitt aus einem Fragebogen, bei dem nach unterschiedlichen Wörtern im Dialekt gefragt wurde Ausschnitt aus einem Dialektfragebogen des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte mit der Angabe von „trottowar“, Foto: LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, CC BY-SA 4.0

Auf dem Fragebogen 11 des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte (ILR) aus den Jahren 2017/2018 wurde nach der mundartlichen Bezeichnung für den ‚Gehweg‘ gefragt. Zahlreiche Gewährspersonen nahmen teil und meldeten die Variante, die sie für diesen Gegenstand im Dialekt nutzen. Neben einigen Nennungen von Paad (auch Paat oder Pad/Pat) ‚Pfad‘ gaben sie zudem Dörpel an. Die meisten Belege entfielen jedoch auf Trottoir, und das nahezu für das gesamte Rheinland. Dabei verwiesen mehrere Teilnehmende mit einem Kommentar darauf, dass es sich um eine veraltetet Version handelt, zudem liegen unzählig viele verschiedene Schreibeweisen des Wortes vor. Oft gaben sie Trottoir (die Schreibweise der Standardsprache) an, zudem notierten sie verschiedene Aussprachevarianten, die sowohl Trottoar als auch Trottowar umfassten. Auch im großen Rheinischen Wörterbuch (Band 8, Sp. 1404) findet sich das Stichwort Trottoar. Ob es sich hier also tatsächlich um einen Archaismus handelt, hängt wohl von der jeweiligen Sprachvarietät – Dialekt, regionale Umgangssprache oder Standardsprache – ab.

Literatur: