LVR-Institut für Landeskunde
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Ostern im Schnee?

Zwei Ostereier im Schnee

Der eine oder die andere macht sich sicherlich bereits Gedanken über das Wetter an den Osterfeiertagen: Hoffentlich regnet es nicht, damit wir draußen Eier suchen können! oder Ob die ersten Erdbeeren für den Kuchen bis dahin noch reif werden?

Auch in früheren Zeiten hatte das Wetter an Ostern für die Menschen im Rheinland zwischen Bonn und Emmerich eine große Bedeutung. Allerdings weniger, weil sie um ihre festlichen Aktivitäten gebangt haben. Vielmehr galt ihnen die Witterung an diesen Tagen als Gradmesser für die kommenden Wochen – und damit für eine Zeit, die entscheidend war für das Heranreifen der Ernte. So ist es nicht verwunderlich, dass es zahlreiche Redewendungen und Bauernregeln gibt, die das Wetter an den Osterfeiertagen thematisieren. Da zur Zeit des Entstehens dieser Sprüche die meisten Rheinländer*Innen noch Dialekt sprachen, sind sie uns auch in dieser Sprachform überliefert. Verzeichnet sind viele von ihnen im großen Rheinischen Wörterbuch, einige sollen hier vorgestellt werden:

Wo Ostermondig der Wengk steht, do steht e drei Vierdel Johr Dür ('Wo Ostermontag der Wind steht, da steht ein dreiviertel Jahr Dürre', Aachen-Merkstein)

Wann et op den ierschten Osterdag rent, wüerd de Erd den ganzen Sommer nit nat ('Wenn es am ersten Ostertag regnet, wird die Erde den ganzen Sommer nicht nass', Solingen, Mönchengladbach)

Wenn et Ustere rent, dann vergeht et drette Kidd en de Iehr ('Wenn es an Ostern regnet, dann vergeht das dritte Korn in der Ähre', Euskirchen-Friesheim)

Posche brengt de Suemer en't Longk ('Ostern bringt den Sommer ins Land', Kempen-Sankt Peter)

Gröng Kresmess, wisse Posche ('Grüne Weihnachten, weiße Ostern', Aachen, Monschau, Eupen, Langerwehe-Geich, Bergheim-Hüchelhoven, Neuss-Dormagen und allgemein Südniederfränkisch, Kleverländisch)

Gröne Poschen, wite Peisten ('Grüne Ostern, weiße Pfingsten', Solingen)

Wie man sieht, für jede mögliche Wetterlage steht ein Spruch bereit – jetzt bleibt abzuwarten, ob es an Ostermontag regnet und uns erneut ein Jahrhundertsommer ins Haus steht. Allerdings ist nach dem Wetter an Weihnachten wohl auch Schnee möglich …

Aus sprachwissenschaftlicher Perspektive fallen vor allem die zwei verschiedenen Dialektwörter für Ostern auf: O(e)stere/U(e)stere und Posche(n)/Posse(n).

Posche(n)/Posse(n) geht auf lateinisch und griechisch pascha zurück, das wiederum ist dem aramäischen pashā zu verdanken. O(e)stere/U(e)stere kommt im Mittelalter als ostara oder ostaru vor. Es liegen verschiedene Erklärungsversuche dazu vor. Ursprünglich war die Bezeichnung Posche im Rheinland einmal weit verbreitet. Im Laufe der Jahrhunderte sind allerdings immer mehr Ortsdialekte zu U(e)stere (analog zum Hochdeutschen) übergegangen, so dass das Posche-Gebiet im Norden des Rheinlands immer kleiner wurde (vgl. die Karte im RhWB, Bd. 6, Sp. 537).

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