LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Hünxe - das Pilotprojekt

Karte von Hünxe mit Flurnamen


Hünxe - das Dorf

Hünxe wird im Jahre 1092 zum ersten Mal erwähnt, als ein Ludolfus de Hungese in Erscheinung tritt, Ludolf von Hünxe also. Heute gehört das Dorf Hünxe zur gleichnamigen Gemeinde im Kreis Wesel. Aber natürlich werden auch immer wieder die übrigen Orte der Gemeinde in den Blick geraten: Drevenack, Krudenburg, Bruckhausen, Gartrop-Bühl und Bucholtwelmen.

Mit seinen mehr als 5000 Einwohnern und Einwohnerinnen gehört Hünxe zu den großen Dörfern im Rheinland. Der erhebliche Bevölkerungszuwachs nach dem Zweiten Weltkrieg ist u. a. dem starken Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen zu verdanken. Wie diese Gruppen in das Dorf integriert wurden, ist natürlich eine spannende Frage. Allerdings stehen andere Themen im Vordergrund unseres Projekt, in dem es ja vorrangig um die heutige Situation und um zukünftige Entwicklungen geht.


Dezember 2010

Eine erste öffentliche Veranstaltung fand am 9. Dezember 2010 bei "Nuyken" statt: Im Rahmen eines "Erzählcafés" kamen Hünxer und Hünxerinnen zu Wort, Einheimische wie Zugezogene. Aus ihren individuellen Perspektiven erzählten sie über die ersten Jahrzehnte nach dem Weltkrieg und über ihre Erfahrungen als Hünxer "Neubürger". Auch wer denn wen duzt (und wer wen nicht duzt) kam zur Sprache. Für unsere weiteren Forschungen ergaben sich viele Anregungen.


Dialekt in Hünxe

Wer wann mit wem (noch) Platt spricht und wie sich das Sprachverhalten der Einwohner und Einwohnerinnen Hünxes weiter entwickeln wird - das sind zwei unserer Fragen. Dass der Prozentsatz der Menschen, die heute den Dialekt überhaupt noch beherrscht, recht niedrig liegt, steht außer Zweifel.

Als Georg Wenker in den 1880er Jahren seinen Dialektfragebogen in jeden Schulort schickte, war es für Schüler und Schülerinnen im Raum Hünxe kein besonders schwieriges Kunststück, die 40 hochdeutschen Sätze des Fragebogens in das örtliche Platt zu übertragen. Der Satz "Wir sind müde und haben Durst" wurde in Hünxe wie folgt übertragen: Wej send müj on hämmen Dos.

Zum Vergleich der gleiche Satz in den Mundarten dreier Nachbarorte:

Wei sind müh on hewe dorst. (Wesel)

Wej send müj on hämmen Dos. (Hünxe)

Wi sind müj wie hefft dorst. (Gahlen)

Wi bönt möh un häppt Dost. (Schermbeck)

Die Unterschiede stechen wohl auch einem Nichtdialektsprecher ins Auge. Seinerzeit - als alle noch Platt sprachen - konnten die Hünxer anhand der Sprache sofort hören, wer aus dem Dorf stammte und wer nicht. Der Dialekt war ein Markenzeichen des Dorfes.


Literatur

Georg Cornelissen: Die Mundarten im rechtsrheinischen Kreis Wesel. In: Heimatkalender des Kreises Wesel 1986, S. 141-150 (mit den Satzbelegen aus dem 19. Jahrhundert)

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