LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Auf Jück - Im Rheinland unterwegs

Ihr Lieben,
Sonne, ein bisschen Wind, kein Regen – perfektes Wetter, um das Rheinland zu erkunden. Egal, ob zu Fuß, mit dem Rad, Auto oder Zug, heute bin ich auf jück und erkunde die Gegend.
Euer Institut

Unterwegs im Rheinland oder wie man hierzulande vielleicht sagen würde auf/op jück/jöck kann man unheimlich viel entdecken.

Foto: Geteerter Fahrrad- und Fußweg mit zwei Fahrradfahrern. Im Hintergrund befindet sich eine Schutzhütte aus Metall mit Bänken. Auf Jück im Rheinland. Foto: Anne Stollenwerk

Am Niederrhein wird der Ausdruck auf jück in der regionalen Umgangssprache verwendet, wenn man ausdrücken will, dass der- oder diejenige unterwegs ist, man aber nicht so genau weiß, wo. Vermutlich geht jück/jöck auf das Verb jückeln/jöckeln‚nur zum Zeitvertreib umherfahren, in der Gegend herumrennen‘ zurück; dieses ist bereits im Mittelhochdeutschen als jōuchen, jouchen ‚jagen, treiben‘ belegt und dann um 1500 als jöken mit der Bedeutung ‚weggehen‘ zu finden. Es hängt also nicht mit jucken zusammen, sondern ist ein eigenständiges Verb, das im Rheinland weit verbreitet und hier besonders typisch ist.

Auf jück ist aber nicht der einzige Ausdruck, den man im Norden des Rheinlandes verwendet, wenn man unterwegs ist. Eine Fragebogenerhebung des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte hat im Jahr 2002 ergeben, dass in der regionalen Umgangssprache noch drei weitere Varianten am Niederrhein bekannt sind: Auf Trallafitti gaben Menschen bei der ILR-Erhebung für das Ruhrgebiet wie die angrenzenden Orte an, auf Schöcklebömm dann im Raum Goch-Wesel-Geldern. Bei beiden Begriffen ist die Herkunft unklar. Im Südwesten meldeten die Gewährspersonen bei der ILR-Erhebung am Niederrhein auf Jusch/Jüsch, das wohl auf das Verb jusche (RhWB, Band 2, Sp. 1504) zurückgeht. Im Rheinischen Wörterbuch findet sich auch der Verweis auf Jusch, eine Bezeichnung für einen biegsamen Zweig aus Weide oder Haselnuss, der genutzt wurde, um Fliegen zu verjagen, der aber auch dazu dienen kann, Mensch oder Tier zu schlagen.

Foto: Schmaler Wanderweg, der links durch einen Felsen begrenzt ist, rechts geht es bergab. Eifelsteig-Wanderweg bei Monschau. © AndreasToerl, CC BY-SA 3.0-Lizenz; Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33952578

Sowohl beim reinen Rumjuckeln als auch wenn man mit festem Ziel unterwegs ist, ist die Wahl des Transportmittels besonders wichtig. Nachdem wir in den letzten Wochen und Monaten aufgrund von Corona auf vieles verzichten mussten, können wir jetzt die wärmeren Tage im Sommer wieder nutzen, um das Rheinland neu zu entdecken. Und auch, wenn noch nicht alles wieder möglich seins sollte, so kann man doch kleine und große Touren durch die Region machen. Ob nun zu Fuß, mit dem Rad, dem Zug oder dem Auto – je nach Entfernung und Fitnesslevel können die unterschiedlichsten Transportmittel genutzt werden. Wandern ist dabei eine beliebte Fortbewegungsart - weite Strecken der Eifel eignen sich hierfür wohl besonders gut. Das Verb selbst ist schon relativ alt; es geht sprachhistorisch auf mittelhochdeutsch wandern ‚in Bewegung sein, gehen, ziehen, reisen‘ zurück, das wiederum seinen Ursprung wohl im althochdeutschen Wort wantōn ‚wenden, verwandeln, sich ändern‘ hat. Aus dieser alten Bedeutung ‚wiederholt wenden, hin und her wenden‘ entwickelte sich im Laufe der Zeit ‚von einem Ort zum anderen ziehen‘; seit dem 18. Jahrhundert wird wandern dann vor allem als ‚größere Strecken zu Fuß zurücklegen‘ verstanden.

Zu Fuß oder wandernd ist man allerdings relativ langsam unterwegs, für längere Strecken greift man vielleicht eher auf das Fahrrad (im den rheinischen Dialekten hört man häufig eher Farrad) oder auf den Drahtesel, das Fiets, das Velo, die Leeze oder den Schörrech zurück – all diese Begriffe sind im Rheinland als Bezeichnung für das Zweirad zu hören. Aber auch das Auto, im Rheinland häufiger auch der Auto (mehr dazu finden Sie in Cornelissen 2007, S. 90 ff.) oder der Zug (in weiten Teilen des Rheinlandes auch der Zuch) können als Transportmittel dienen.

Foto: Rote Bahn der Deutschen Bahn steht an rechtem von zwei Gleisen. Zuch im Bahnhof Köln/Deutz. © Johannes Martin Conrad, CC BY 3.0-Lizenz; Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48774273

Egal, wie und wohin Sie unterwegs sind – genießen Sie Wetter und Natur!

Text: Sarah Puckert

Literatur

Georg Cornelissen: Der Niederrhein und sein Deutsch. Sprechen tun et fast alle. 2. Auflage. Köln 2007.

DWDS. Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Das Wortauskunftssystem zur deutschen Sprache in Geschichte und Gegenwart, hrsg. v. d. Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. [URL: https://www.dwds.de].

Peter Honnen: Wo kommt dat her? Herkunftswörterbuch der Umgangssprache an Rhein und Ruhr. Köln 2018.

RhWB = Rheinisches Wörterbuch. […] hrsg. und bearb. von Josef Müller u. a. Bonn, Berlin 1928-1971. [URL: http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=RhWB].