LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Widerstand im Rheinland 1933-1945

Das LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte erforscht mit dem Projekt „Widerstand im Rheinland 1933-1945" die zahlreichen Facetten des Widerstands gegen die NS-Diktatur.


Das Projekt

Das Rheinland war bis 1933 kein genuines Kerngebiet der nationalsozialistischen Bewegung. Die Wahlergebnisse der NSDAP waren im Vergleich zu anderen Regionen des Reiches schwach. Der katholische Teil der Bevölkerung war bis 1933 mit großer Mehrheit im Verbandskatholizismus verankert, auch das vorwiegend sozialistische Arbeitermilieu - besonders in der Ruhrregion – war weitgehend resistent. Nach 1933 agierten Arbeiterschaft, Gewerkschaften und (katholische) Kirche im Rheinland „zwischen pragmatischer Befürwortung, Anpassung und Widersetzlichkeit" gegenüber der NS-Diktatur. Doch gab es auch Organisationen und Gruppierungen, Milieus und Teilgesellschaften, die aufgrund ihrer Geschichte und Struktur anfälliger für nationalsozialistische Einbrüche waren.
Ebenso breit gefächert wie das Verhalten der Bevölkerung und der gesellschaftlichen Gruppen im Rheinland gegenüber der nationalsozialistischen Bewegung vor und nach 1933 war auch der Widerstand im „Dritten Reich". Er reichte von passiver Resistenz, nonkonformem Verhalten, situativer Widersetzlichkeit bis zu offenem, organisiertem auch gewaltsamem Widerstand.
Analog zum Internetportal Rheinische Geschichte umfasst das Rheinland als Raum hier die preußische Rheinprovinz mit den Regierungsbezirken Köln, Düsseldorf, Aachen, Koblenz und Trier sowie das Fürstentum Birkenfeld.

Das variantenreiche Spektrum des Widerstands im Rheinland soll mit dem Projekt „Widerstand im Rheinland 1933-1945" qualitativ und quantitativ erforscht werden. Nach einem Fragenkatalog sollen alle Widerstandsgruppen erfasst und nach folgenden Gesichtspunkten aufgearbeitet werden.

Herkunft/Ort des Widerstands

Hier wird der örtliche Schwerpunkt der widerständigen Aktivitäten benannt. Beispielsweise ein Ort, eine Stadt, aber auch eine Region (Ruhrgebiet) oder nur ein Stadtbezirk.

Gruppengröße

Sie gibt Aufschluss über die zahlenmäßige Größe des Widerstands im Rheinland allgemein, aber auch darüber, ob es sich vornehmlich um Einzelwiderstand (z.B. bei einzelnen Pfarrern) oder um breiter angelegten organisierten Widerstand (z.B. Jugendgruppen, Kölner Kreis etc.) handelt.

Politische/Ideologische Positionierung der Widerstandsgruppe

Der politische/ideologische Antrieb zum Widerstand wird ebenfalls herausgearbeitet und definiert. Folgende Aufteilung ist vorerst vorgesehen:

Zeitraum/Dauer des Widerstands

Eine differenzierte Betrachtung und Bewertung der Dauer des Widerstands ist sinnvoll, da einige Gruppen kontinuierlich aktiv waren, andere nur in bestimmten Situationen in Erscheinung traten. Auch wurden manche Vergehen zwischen 1933 und 1938 anders bewertet als während des Kriegs.

Intensität/Form des Widerstands

Die qualitative Bewertung der Widerstandsaktivitäten der Gruppen und Personen im Rheinland wird nach einem speziell auf das Rheinland zugeschnittenen, differenzierten Bewertungssystem erfolgen.

Maßnahmen des NS-Regimes

Hier wird die polizeiliche und politische Arbeit des NS-Regimes gegen die Widerstandsgruppen dargestellt. Beispielsweise das Vorgehen der Polizei in den jeweiligen Fällen, das Strafmaß und was anschließend mit den Widerständlern geschah.

Umsetzung der Ergebnisse

Die Ergebnisse werden kartographisch und tabellarisch umgesetzt und sowohl im Internetportal Rheinische Geschichte als auch in einer gedruckten Publikation der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Vorerst sind zwei Karten geplant: Die erste Karte soll alle Widerstandsgruppen vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erfassen, die zweite den Widerstand während des Kriegs.
Die tabellarische Aufarbeitung soll nach einem Schema vorgenommen werden. Dieses Schema soll die Vergleichbarkeit der Daten garantieren. Außerdem ist jeweils ein Essay über die einzelnen Widerstandsmilieus/-gruppen vorgesehen. Auf einer Tagung sollen schließlich die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Ansprechpartner

LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte
Endenicher Str. 133
53115 Bonn

Dr. Helmut Rönz (Projektleiter)
Tel. 0228/9834 247
Fax 0221/8284 1512
E-Mail: Helmut.Roenz@lvr.de

Kirchlicher Widerstand:
PD Dr. Hermann Josef Scheidgen (Bonn/Köln)

Sozialdemokratischer Widerstand,
Gewerkschaftlicher Widerstand,
Sozialistischer/Kommunistischer Widerstand:
PD Dr. Ralf Forsbach (Bonn)

Bürgerlicher/liberaler/militärischer Widerstand,
Retterwiderstand,
Sonstiger Widerstand:
Dr. Ansgar Klein (Bonn)

E-Mail: Widerstand-Rheinland@lvr.de